Das ausschließliche Medium der 1967 in Chile geborenen Sandra Vásquez de la Horra ist das Zeichnen mit Bleistift und Farbstift auf Papier, wobei sie oftmals Gebrauchpapiere verwendet (wie die vorgedruckten Kontenseiten eines Buchhaltungshefts). Die menschliche Figur steht im Mittelpunkt der Zeichnungen. Zum Motivrepertoire gehören Erinnerungen an die Diktatur Pinochets, Volksreligion, Aberglaube und Märchen, wobei die Künstlerin lateinamerikanische Traditionen mit europäischen verbindet. In einem ungewöhnlichen weiteren Bearbeitungsschritt verleiht sie den Zeichnungen ihre endgültige und charakteristische Form: die Künstlerin taucht sie in ein Bad von geschmolzenem Bienenwachs, der als gelblich-brauner Film haften bleibt. Die Zeichnungen sind nach dieser Prozedur wie durch einen Weichzeichner immer noch gut sichtbar, wirken nun aber durchscheinend und seltsam zeitlos. Diese Ästhetik verstärkt den surrealen Gehalt der Darstellungen. Die Objekthaftigkeit der Zeichnungen wird unterstrichen durch die Praxis der Künstlerin, ihre Werke mit Nadeln ungerahmt an die Wand zu heften. Für Ausstellungen fügt sie bis zu 40 Zeichnungen zu einem „Block“ zusammen.
Sandra Vásquez de la Horra studierte von 1989 bis 1994 an der Universität im chilenischen Viña Del Mar Visuelle Kommunikation. Danach setzte sie ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf fort, zuerst bei Jannis Kounellis (1995-1996), dann bei Rosemarie Trockel (2000–2002). Ihre Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und fanden Eingang in bedeutende Sammlungen, wie der des Center George Pompidou in Paris, der Morgan Library in New York und des Museums Kunst Palast in Düsseldorf.
